Es donnert noch nach dem Regen“, schrieb ich gestern bei der 3er Buchvorstellung in Frankfurt an der Oder.

Es regnete und schüttete so wild, die Straßen waren förmlich überflutet  kurz bevor unsere „Lesung“ begann.

So hatten wohl ein paar, die gerne dabei gewesen wären, kurzfristig nicht kommen können. Aber es war phantastisch so wie es war. 8 Frauen im Co-Writing- Space der Europa-Universität Viadrina, gegründet von der wunderbaren Katrin Girgensohn. Katrin ist eine langjährigen Kollegin, Gründerin und Leiterin des Schreibzentrums, Autorin vieler wichtiger Bücher über Schreibdidaktik, Erfinderin der „66 Schreibnächte“, Networkerin für innovative Schreibdidaktik etc.

Also 8 interessierte und interessante Frauen waren hier bei der  3er Buchvorstellung (Lesung ++ Schreibanregungen ++ Gespräch), Schreibtrainerkolleginnen und Schreiberinnen trotz und während und nach dem Regen. Und es donnerte gehörig. Nach der Lesung verfassten wir Rondo-Gedichte und ich schrieb in meinem:

„Acht Frauen sind hier.
Es donnert noch nach dem Regen.
Hitzig, weiblich und feministisch ist Deutschland.
5 Grad heißer als in Wien, heute in Frankfurt Oder Berlin (….)“

Die anschließende Diskussion über das Schreiben von Frauen an den Unis startete vorerst zögerlich,… doch dann wir hörten von abgebrochenen Dissertationen  & verhinderten Habilitationen von Frauen, die sich ein wenig aus dem üblichen Wissenschaftsprachkonzept hinausbewegen wollten.

Da las ich radikalste Zitat von Virginia Woolf aus meinem Buch vor. Da donnerte es weiter:

„[...] burn the (old) college to the ground.Set fire to the old hypocrisies. Let the light of the burning building scare the nightingales and incarnadine the willows. And let the daughters [...] dance round the fire and heap armful upon armful of dead leaves upon the flames. And let their mothers lean from the upper windows and cry, ‚Let it blaze! Let it blaze! For we have done with this education!‘“

Virginia Woolf, Three Guineas (Auf S. 274 in „Schafft euch Schreibräume!“)

Wohlgemerkt Virginia schrieb dies 1938, zu Kriegsbeginn, in ihrem pazifistisch-feministischen Essay „Three Guineas“.  Sie wetterte über die patriarchalen englischen Universitäten des frühen 20. Jahrhunderts, die nicht nur Frauen vehement ausschlossen, sondern, so Virginia, Männer zu (Be-)Herrschern ausbildeten. Doch, ihr Donnern ist heute noch nachvollziehbar. Auch, wenn die meisten Frauen (noch) schweigen über Hürden und Hindernisse, die ihnen und einem neuen Schreiben auf höchsten Ebenen der wissenschaftlichen Hierarchie gestellt werden.  Es lässt sich ahnen, wie weit verbreitet (und tabuisiert) das (noch) ist…… Was meint ihr, liebe Leserinnnen?

Ich hab jedenfalls mit Katrin noch lange diskutiert nach der Veranstaltung bei einem Abendessen im Post-Regen-Gastgarten und auf der Zugfahrt zurück ins hitzig schwüle Berlin.

Ich fühle mich feministisch stark und frei hier in Berlin und das schon 2 Tage vor der Präsentation der „Weimarer Manifeste zur feministischen Schreibpraxis“  (Kapitel 5 meines Buches) in der Galllerie „clear text“. Wer mag noch kommen?

Feministisch, hitzige Grüße aus Berlin! Judith

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