Vorurteil #2 gegen „Schafft euch Schreibräume!“

„Autobiographische Bücher sind irgendwie peinlich. Wieso belässt sie ihre privaten Geschichten nicht in ihrem Tagebuch …?“

Antwort  #2:
Ein Memoir ist weder „Autobiographie“ noch ein formloses depressives Gejammer. Das in den USA extrem beliebte Genre wurde längst in den Pantheon der Literatur aufgenommen (Blogbeitrag dazu). Ja, echt wahr! Das wird im deutschsprachigen Raum noch einige Zeit dauern. Die Memoirs von Frank McCourt, Maya Angelou, Mary Karr, Patty Smith, David Sedaris  etc. werden in der deutschen Übersetzung inzwischen als „Romane“ verkauft.

Ein „Memoir“ ist aber kein Roman, nicht Belletristik, nicht Fiktion. Es ist eine literarisch (!) aufbereitete, fokussierte Geschichte aus dem eigenen Leben, berührend, weise, schräg, spannend. Es ist Non-Fiction, das Motto lautet: „Life ist stranger than fiction.“ Wir müssen uns nichts ausdenken und uns auch nicht verstecken!  Ein Memoir ist weit von einem Tagebuch entfernt. Es ist eine gut erzählte Story. Die Auswahl der erzählten Details/Szenen ist radikal und achtsam.

Memoir ist außerdem ein urdemokratisches Genre, Berühmtheit ist keine Voraussetzung eines zu schreiben; doch viele „Memoiristen“ wurden durch ihre Bücher weltberühmt. (best-memoirs)

Und noch was: Memoir ist gewissermaßen eine „weibliche“ Gattung. Sehr viele  der ganz großen Memoiristen sind Frauen. Von Maguerite Duras bis Rebecca Walker, von Mary Karr bis Maya Angelou, von Cheryl Strayed bis Gloria Steinem: es geht um Frauenleben, wilde, zarte, harte Erfahrungen, die viele von uns halt machen und über die zu lesen, gut tut.
Ich sage jetzt mal provokant: Fiktion ist ein Luxusgenre, eher für männliche Literaten, und auch für Feiglinge ;-). Was meint ihr?

(Foto von meiner Buchpräsenation in Berlin im Mai 2018)

 

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